Wiesbaden, 18. März 2026 - "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen" mit diesem Caritas-Leitwort hat die Hessen Caritas bei ihrem Jahresempfang in Wiesbaden den Wert des Miteinanders von Jung und Alt hervorgehoben. Gleichzeitig wurde am Dienstagabend der Stabwechsel im Vorsitz vollzogen: Jörg Klärner, Diözesancaritasdirektor in Limburg, übernimmt für die kommenden drei Jahre den Vorsitz der Hessen Caritas von seiner Mainzer Kollegin Regina Freisberg.
v. l. n. r.:
Dr. Markus Juch, Vorstand Hessen Caritas/ Anna Lisa Azur, Künstlerin/ Susanne Simmler, Landesdirektorin LWV/ Staatsministerin Heike Hofmann/ Jörg Klärner, Vorsitzender Hessen Caritas/ Staatsministerin Diana Stolz/ Staatsministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus/ Prof. Dr. Georg Cremer/ Bischof Dr. Georg Bätzing/ Regina Freisberg/Vorstand Hessen Caritas
Hessen Caritas
An der Veranstaltung nahmen über 150 Gäste aus Politik, Kirche, Wohlfahrtspflege und Zivilgesellschaft teil, darunter die hessischen Ministerinnen Diana Stolz (Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege) und Heike Hofmann (Arbeit, Integration, Jugend und Soziales.). Für Ministerin Stolz können Einrichtungen der Pflege Ort der Begegnung und der Gemeinschaft sein. "Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, wie zentral die Rolle der pflegenden Angehörigen ist: In Hessen werden mehr als 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt." Pflege müsse so gestaltet sein, "dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben können".
Jörg Klärner, Vorsitzender Hessen Caritas/ Staatsministerin Heike Hofmann/ Regina Freisberg Vorstand Hessen Caritas/ Dr. Markus Juch, Vorstand Hessen Caritas/ Staatsministerin Diana Stolz
Hessen Caritas
Ministerin Heike Hofmann sieht im Jahresthema ebenfalls viele Anknüpfungspunkte: "Die Inhalte, die die Caritas bewegen, sind auch für mich als Sozialministerin von großer Bedeutung. " Sie rief dazu auf, das "Wir" vorzuleben und Zusammenhalt zu demonstrieren.
Bischof Georg Bätzing: "Getrennt droht vieles zu zerbrechen - zusammen geht was"
Der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing unterstrich in seinem Grußwort mit Blick auf die Herausforderungen der Hessen Caritas, dass Freiheit, Wohlstand und gesellschaftliche Stabilität Ergebnisse generationenübergreifender Solidarität seien. Er warnte vor einer Politik des Gegeneinanders, die Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielt, Misstrauen schürt und gesellschaftlichen Dialog verhindert. Angesichts großer Herausforderungen - demographischer Wandel, Renten und Pflegefragen, Klima, Bildung, Migration, Frieden - brauche es eine Politik, die verbindet. Die diesjährige Caritas Kampagne "Zusammen geht was" setze dafür bewusst ein starkes Zeichen: Vertrauen, Verantwortung und gemeinsames Handeln. Sein Appell: "Getrennt droht vieles zu zerbrechen - zusammen geht was."
Georg Cremer: Der Prioritäten-Debatte nicht ausweichen
Einen starken inhaltlichen Akzent setzte Prof. Dr. Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes und derzeit wissenschaftliches Mitglied der Alterssicherungskommission der Bundesregierung ("Rentenkommission 2026"). Cremer hob hervor, dass sich der Sozialstaat seit Jahren im Einklang mit der Wirtschaftsleistung entwickle, weder könne von einer "Explosion" noch von einem "Kaputtsparen" die Rede sein. Allerdings gebe es widersprüchliche Erwartungen: mehr Leistung bei gleichzeitiger steuerlicher Entlastung sei nicht realisierbar. Cremer plädierte für eine klare Prioritätensetzung zugunsten von Benachteiligten.
Cremer betonte zudem, dass der Sozialstaat nur dann zukunftsfähig sei, wenn er in zentralen Dimensionen weiterentwickelt werde. Er müsse arme Menschen zuverlässig erreichen und verdeckte Armut überwinden. Die Reformen müssten vom unteren Rand der Mitte als fair wahrgenommen werde. Dazu gehöre, dass sich zusätzliche Arbeit spürbar lohne. Weiterhin baue ein deutlich einfacherer, digitaler und bürgerfreundlicher Sozialstaat Hürden ab. Besonders wichtig sei eine Prävention durch Bildung: mehr Befähigungschancen tragen zu einer Vermeidung von Armutsfallen bei. Cremer riet den Sozialverbänden, sich aktiv in diese Debatte einzumischen und einer Prioritätendebatte nicht auszuweichen.
Jörg Klärner: Für einen bürgerfreundlichen und wirksamen Sozialstaat
Regina Freisberg Vorstand Hessen Caritas / Jörg Klärner, Vorsitzender Hessen CaritasHessen Caritas
Der neue Vorsitzende der Hessen Caritas, Jörg Klärner, dankte seiner Vorgängerin Regina Freisberg für die Arbeit. Sie habe damit eine gute Basis für eine verstärkte Zusammenarbeit der Caritasverbände auf Landesebene gelegt. In den kommenden Jahren werde sich die Hessen-Caritas für generationengerechte und langfristig tragfähige soziale Sicherungssysteme einsetzen. Zudem plädiere sie für einen entschlossenen Ausbau digitaler Strukturen in sozialen Diensten und verstärkte Anstrengungen im Klimaschutz für sozial Benachteiligte. Den Hinweis auf eine Prioritätensetzung werde die Hessen Caritas aktiv aufgreifen: "Bürgerfreundlichkeit und Wirksamkeit sind dafür wichtige Kriterien", so Klärner.