Mainz. Gewalt hat viele Gesichter - und sie betrifft auch Arbeitsfelder, in denen Menschen professionell begleiten, beraten und schützen. Beim Fachtag "Macht und Gewalt - (k)ein Thema in professionellen Beziehungen?!" im Haus der Caritas im Bistum Mainz diskutierten Teilnehmende aus Pflege, Beratung und Pädagogik über strukturelle Ursachen und wirksame Schutzstrategien.
"Wir sind mit diesem Fachtag ins Gespräch gekommen: über ein differenziertes Verständnis von Macht, über ein geschärftes Bewusstsein für Gewalt und über die Frage, wie professionelles Handeln unter herausfordernden Bedingungen verantwortungsvoll gestaltet werden kann", so Diözesancaritasdirektorin Nicola Adick am Donnerstag. "Der rote Faden, der sich durch unser Engagement zieht, ist klar, nämlich Gewaltschutz als durchgängiges Prinzip professionellen Handelns. Es geht um Haltung, um Kultur und um Strukturen und um die Bereitschaft, auch dort hinzusehen, wo es unbequem ist."
In ihrer Keynote "Trauma und Traumafolgestörungen: Wie Gewalt entsteht und wie sie wirkt" zeigte Referentin Anne-Katharina Neddens von der Vogelsbergklinik Grebenhain auf, wie vielfältig die Folgen körperlicher und psychischer Gewalt sein können. Fachkräfte müssten für Warnsignale sensibilisiert sein und zugleich ihre eigene Belastungsgrenze ernst nehmen.
Die zweite Keynote hielt Nikolaus Meyer von der Hochschule Fulda zum Thema "Die kalte Seite der Hilfe - Überlastung, Ohnmacht und Beziehung in der Sozialen Arbeit". Auf Basis der bundesweiten "AVASA-Studie" mit über 6.000 Befragten verdeutlichte er, dass Gewalt und grenzverletzendes Verhalten dort zunehmen, wo Personalmangel, Zeitdruck und fehlende Reflexionsräume den Arbeitsalltag prägen.
Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in praxisorientierten Workshops. Themen waren unter anderem Grenzverletzungen im Gesundheitswesen, Deeskalation und Konfliktbearbeitung, Teamkultur und Machtstrukturen sowie Krisenintervention.
Der Fachtag wurde durch eine freundliche Zuwendung der Ketteler-Stiftung unterstützt.