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Stand: 19.07.2013

Pressemitteilung

Armut kann jeden treffen

Armut ist in den meisten Fällen kein selbst verschuldeter Zustand. Meist ist es die Kombination verschiedener Ereignisse, die Menschen in die Armut stürzen. Das betont die Liga der Freien Wohlfahrtspflege bei der Vorstellung des heutigen Lan- dessozialberichts in Wiesbaden. "Wir als Wohlfahrtsverbände kennen die von Ar- mut betroffenen Menschen unserer Bevölkerung und es kann nicht sein, dass Kin- der in so einem reichen Land mittlerweile ein Armutsrisiko für Familien und Alleiner- ziehende darstellen", erklärt Thomas Domnick, Vorstandsvorsitzender der Liga Hessen.

Es trifft die Schwächsten

Besonders Alleinerziehende und Kinder sind weiterhin die Verlierer dieses Sys- tems. In mittlerweile acht Prozent der hessischen Haushalte lebt ein alleinerziehen- der Elternteil, seit dem letzten Landessozialbericht ist dies ein Anstieg um fast zwei Prozent (Kap. 1, S. 37). Besonders fatal ist, dass die Armutsquote der Alleinerzie- henden steigt, obwohl ihre Erwerbstätigenquote seit Jahren zunimmt. Damit wird deutlich, dass Arbeit nicht unbedingt vor Armut schützt. "Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, braucht es mehr Teilzeit- und modulare Ausbildungsgänge für Al- leinerziehende sowie ergänzende Landesprogramme für alle Armutsrisikogruppen", schlägt Domnick als einen Lösungsansatz der Landesregierung vor. Gerade Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege haben in der Prävention von Armut elementare Aufgaben und Funktionen. Die Liga Hessen lobt hier das Vorhaben der Hessischen Landesregierung, die Betreuung der Kinder gebührenfrei anzubieten. Sie sollte zukunftsweisend denken und Kindern ein längeres gemein- sames Lernen und Aufwachsen im Rahmen eines "Offenen Ganztagskonzeptes" von Schule und Jugendhilfe ermöglichen.

Armut wird ausgelöst durch Überschuldung, Krankheit, Arbeitslosigkeit bzw. prekäre Beschäftigungen oder Scheidung, was auch eine Studie der Sozialbe- ratung für SchuldnerInnen bei rund 90 Prozent der Klienten im Caritasverband Frankfurt belegt. Begünstigt wird die prekäre Lage durch einen wachsenden Niedriglohnsektor, eine unverhältnismäßig starke steuerliche Belastung von kinderreichen Familien und Haushalten, einen zu gering berechneten Grundsi- cherungssatz, etliche Regelungen im Asylrecht sowie die Wohnraumknappheit und die Benachteiligung von Wohnquartieren.

Wohnungsnot: Sozialer Wohnungsbau

Armut hängt zudem stark vom Wohnort ab. Land und Kommunen müssen aktiv gegen die Ausbreitung von benachteiligten Wohnquartieren vorgehen. Die Menschen brauchen erträgliche Lebens- und Wohnbedingungen und eine gute Infrastruktur. "Es sollte dringend in sozialen Wohnungsbau investiert werden, um viele Bevölkerungsgruppen am Rande nicht weiter vom Wohnungsmarkt zu verdrängen", fordert Domnick die Landesregierung auf. Insbesondere Familien sollten hier im Fokus der Planungen stehen.

Angesichts steigender Wohnungslosenzahlen, einer wachsenden Zahl von Räumungsklagen bedrohter Familien und immer mehr jungen Menschen auf der Straße ist bezahlbarer Wohnraum mittlerweile zu einem zentralen Punkt in der Armuts-Diskussion in Hessen geworden. "Die Einführung einer jährlichen integrierten Wohnungsnotfallstatistik, verbunden mit einer jährlichen Woh- nungsnotfallberichterstattung wird in Hessen zu einer verbesserten Datenlage führen, was Voraussetzung für planvolles politisches und administratives Han- deln ist", erläutert Domnick eine Forderung der Liga Hessen.

Altersarmut: Soziale Krise steht bevor
In Hessen sind derzeit mehr als 170.000 Rentnerinnen und Rentner direkt von Armut bedroht. Wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, ist eine sozi- ale Krise unabwendbar. Altersarmut wird sich weiter verschärfen, wenn Arbeit- nehmerinnen und Arbeitnehmer, die heute zwischen 30 und 60 Jahren alt sind, in Rente gehen. "Die Hessische Landesregierung muss ihren Einfluss in allen bundespolitischen Gremien dahingehend nutzen, Altersarmut zu stoppen. Ba- sis für eine gute Alterssicherung muss eine verlässliche und leistungsorien- tierte gesetzliche Rentenversicherung sein", fordert Domnick.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen hat gemeinsam mit den Kirchen, den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), dem Sozialverband VdK und der Ar- beitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen (agah) in ihrem Berichtsteil zum Landessozialbericht die Vielschichtigkeit der Armutsproblematik aufgezeigt und bie- tet der Hessischen Landesregierung Lösungsansätze an. Der Berichtsteil steht un- ter www.liga-hessen.de zum Download bereit.

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